
Sally Nicholls: Wie man unsterblich wird
Sam ist elf Jahre alt und hat Leukämie.
Aus dem Englischen von Birgitt Kollmann
München: Hanser 2008
"Fünf Tatsachen über mich
1. Ich heiße Sam.
2. Ich bin elf Jahre alt.
3. Ich sammle Geschichten und interessante Tatsachen.
4. Ich habe Leukämie.
5. Wenn du das liest, bin ich vermutlich tot."
Mit dieser Liste beginnt die englische Autorin Sally Nicholls ihren Jugendroman „Wie man unsterblich wird“ und macht damit von Anfang an klar, worum es geht. Drum herumzureden, ist für den Ich-Erzähler Sam keine Option – seine Krankheit erlaubt kein „später“ und kein „vielleicht“. Schwammige Antworten und Ausflüchte sind ihm zuwider: „Ich mag Tatsachen. Ich weiß einfach gern Dinge.“ Also macht er Listen: Listen über seine Lieblingssachen oder darüber, wie man ewig leben kann, was man macht, wenn jemand stirbt oder interessante Tatsachen über Luftschiffe. Und er sucht Antworten: „Ich bin richtig gut darin, Sachen rauszufinden. Ich werde Antworten auf all die Fragen finden, auf die man nie eine Antwort bekommt. Auf alle.“
Es sind nicht gerade die leichtesten Fragen, die er sich stellt: Woher weiß man, dass man gestorben ist? Warum müssen wir überhaupt sterben? Wieso lässt Gott die Kinder krank werden? Nur einige Beispiele seiner Spurensuche, mit der er versucht, einen geordneten Zugang zu seiner Welt und seiner Krankheit zu bekommen.
Die Sammlung von Listen, Fragen, Bildern und Tatsachen ist eingebunden in seine Geschichte. In der er von seinem Alltag erzählt, seiner Familie, seiner Freundschaft zum ebenfalls krebskranken Felix, der noch vor ihm stirbt. Niemals weinerlich, sondern ganz im Gegenteil mit knochentrockenem Humor, großer Beobachtungsgabe und viel Sinn für das amüsante Detail.
Der stellenweise sehr heitere, leichte – doch nie leichtfertige – Tonfall reduziert nicht, dass Sam auch Angst hat, verzweifelt und orientierungslos ist – aber er geht darin nicht unter, sondern findet auf seine eigene Art viel Spaß und Lebenslust. Indem er sich etwa seine Wünsche erfüllt: Einen blöden Weltrekord aufstellen, Horrorfilme anschauen, die er nicht sehen darf, Rolltreppen verkehrt rum hoch- oder runterlaufen.
Manches wie „Typische Teenager-Sachen machen wie rauchen, trinken und Freundinnen haben“, muss der noch sehr kindliche Elfjährige vorziehen - er hat nicht unbegrenzt Zeit. „Dies ist mein Buch, begonnen am 7. Januar, beendet am 12. April“. Der Vorspann legt die Grenzen fest.

Der Text, und das zeichnet ihn aus, vermittelt nicht nur Emotionen wie Trauer oder Mitleid, sondern auch sehr viel Lebensfreude und Lebensmut. Er berührt, ohne rührselig zu sein. Ist traurig und macht traurig, ist aber auch immer wieder unpeinlich und ungezwungen lustig, ohne die Lesergefühle zu verletzen.
Auf den Folgeroman „The Midnight Hunter“, der 2009 erscheinen wird, kann man gespannt sein.