
Eoin Colfer: Fletcher Moon
„Mein Name ist Moon. Fletcher Moon.“
Aus dem Englischen von Catrin Frischer
Hamburg: Carlsen 2007
„Mein Name ist Moon. Fletcher Moon.“
Wer sich so vorstellt, weiß, was er tut. Und der Leser ahnt, was ihn erwartet. Ein James Bond der etwas anderen Art: „Ich bin Privatdetektiv. In den zwölf Jahren, die ich auf dieser rotierenden Kugel verbracht habe, die wir Erde nennen, habe ich viele Dinge zu Gesicht bekommen, für die normale Menschen keinen Blick haben. Ich habe Frühstücksdosen gesehen, die geplündert waren, bis auf das Obst. Hausaufgaben-Fälscherringe, die landesweit operieren, und Lastwagenladungen von Lollis, die man kleinen Kindern aus der Hand gerissen hatte. Ich dachte, ich hätte schon alles gesehen. (…) Das hatte ich jedenfalls geglaubt. Doch ich hatte mich geirrt. Und wie ich mich geirrt hatte.“
Eoin Colfer macht gleich zu Beginn seines neuen Romans „Fletcher Moon. Privatdetektiv“ klar, in welchen literarischen Gefilden er wildert. Hammet und Chandler lassen grüßen. Hemmungslos bedient er sich im Fundus des populärkulturellen Kanons und lässt seinen Protagonisten die Welt retten. Nicht die ganz große, sondern eine etwas kleinere:
Moons Ermittlungen spielen sich im Umfeld seiner Schule ab, die Opfer sind Jugendliche, die aufzuklärenden Verbrechen im wesentlichen Diebstahlsdelikte: gestohlene Plattenspielernadeln, Organizers, Haarlocken von adorierten Popstars. Was zunächst wie ein einfacher Fall aussieht, entwickelt sich bald zum rasanten Verwirrspiel, bei dem nichts ist, wie es scheint: Zehnjährige Mädchen verwenden rosarotes Girlie-Outfit nur zur Tarnung, um in Wahrheit mit perfiden Mitteln einen Feldzug gegen unliebsame Jungs zu führen; der vermeintlich böse Bube ist der Gute, der Detektiv kein cooler Ermittler, sondern ein häufig überforderter Tolpatsch, der früher an Häkelwettbewerben teilgenommen hat.
Undercover enthüllt Moon gemeinsam mit seinem anfänglichen Widersacher Red die Zusammenhänge der Ereignisse, die ihn von einer prekären Situation in die nächste stolpern lassen: Ein Schlag mit dem Baseballschläger, der eigentlich nicht ihm, sondern einem Gartenzwerg gegolten hat, bringt ihn ins Krankenhaus; er wird selbst zum Verdächtigen und muss in grotesker Verkleidung bei einer kriminellen Familie untertauchen; eine Entführung in einen Kohlenkeller zeigt ihm die Grenzen seiner Physikkenntnisse auf. Aber dank seiner guten Beobachtungsgabe, spontaner Eingebungen und glücklicher Fügungen gelingt es ihm schlussendlich doch, den Fall zu lösen. Und einen Partner für seine Detektei zu finden.

Im Höchsttempo schreibt sich der Autor durch seine irrwitzige Krimipersiflage, stellt seine Charaktere in absurde Situationen hinein und legt ihnen pointierte Dialoge in den Mund. Alles geschildert aus der schonungslos selbstironischen Sicht des Ich-Erzählers, der das Geschehen staubtrocken kommentiert. Angesichts eines körperlich überlegenen Kontrahenten heißt es etwa: „Ich legte die Arme an und senkte den Blick. Das war die defensive Haltung, die Wildnisexperten für Begegnungen mit Gorillas empfahlen.“
Die Pointen entstehen aus einer glücklichen Hand für amüsante Assoziationen und einem konzentrierten Witz, der nicht viele Worte braucht: „Plötzlich fühlte ich mich allein, hauptsächlich, weil ich allein war.“
Es ist unwahrscheinlich, dass der irische Autor Colfer österreichische Krimiparodien oder Niki List kennt, und doch fühlt man sich - als erwachsener Leser - im Tonfall stellenweise an den Film „Müllers Büro“ erinnert. Oder an Paul Shiptons Buch „Die Wanze“, das übrigens in zwei Ausgaben mit zwei unterschiedlichen Covergestaltungen herausgekommen ist: Eines für junge, eines für erwachsene LeserInnen. Gute Krimipersiflagen sind beste Unterhaltung für jedes Alter. Das gilt in hohem Maß auch für Colfer.
Er erzählt selbst das Verrückteste so, dass es irgendwie sogar real wirkt. Und wenn es eine hardcore-feministische Vereinigung von zehnjährigen Mädchen ist, die die Weltherrschaft an sich reißen will.
Es ist ein schöner Gedanke, dass es zumindest in Büchern jemanden gibt, der uns vor einem derartigen Schicksal bewahrt. Hoffentlich ermittelt Fletcher Moon weiter.