
Daniel Handler: 43 Gründe, warum es aus ist
Zwei Teenager verlieben sich und es klappt nicht mit den beiden. So ließe sich der Plot von Daniel Handlers neuem Jugendroman „43 Gründe, warum es aus ist“ auch beschreiben.
München: Hanser 2013
Zwei Teenager verlieben sich und es klappt nicht mit den beiden. So ließe sich der Plot von Daniel Handlers neuem Jugendroman „43 Gründe, warum es aus ist“ auch beschreiben. Kennt man seit Romeo und Julia – wobei bei Handler, der unter seinem Pseudonym Lemony Snicket bekannt wurde, beide Protagonisten überleben. Und doch ist dieses Buch besonders.
Nach dem Beziehungs-Aus packt die sechzehnjährige Min einen Karton mit 43 Gegenständen voll, die sie mit Ed in Verbindung bringt: Zwei Kronkorken (das erste gemeinsame Bier), ein Spielzeugauto (eine Nacht, die auf eine Autorückbank führt), ein Küchenhandtuch (die Begegnung mit Eds Schwester), vertrocknete Rosenblätter (das Ende). Und Min tut das, was in jedem Ratgeber empfohlen wird: Sie setzt ein deutliches Zeichen des „Loslassens“ und knallt Ed den Karton vor die Haustür. Doch bevor sie das tut, schreibt sie ihm einen Brief. Einen langen, schließlich hat das Buch – und Buch ist gleich Brief – 368 Seiten. Darin arbeitet sie sich Gegenstand für Gegenstand in chronologischer Reihenfolge vom 5. Oktober bis zum 12. November vor. Der Tag, an dem Min endgültig begreift, begreifen muss, dass kein Happy End auf Ed und sie wartet. Warum es aus ist, soll hier nicht verraten werden, und lesen Sie nicht den Klappentext, darin wird genau das unverzeihlicherweise getan. Denn dieses „warum“ hat einen Hauptgrund, nicht 43. Auch wenn Min für sich eine wahre Armada an Begründungen definiert, warum es gut ist, dass es aus ist, um nach dem totalen Zusammenbruch ihres Selbstwertgefühls ihren Rücken wieder gerade zu kriegen: Die 43 Objekte, anhand derer diese Geschichte erzählt wird, sind bei weitem nicht nur Episoden, die auf das Scheitern der Beziehung hindeuten, sondern auch Erinnerungen an sehr schöne Momente, in denen die Unterschiedlichkeit der beiden Figuren sich kurzzeitig auflöst.
Und sehr viel verschiedener könnten Min und Ed nicht sein. Ganz andere Interessen, völlig inkompatible Freundeskreise, grundsätzlich unterschiedliche Zugänge zur Welt. Er: gut aussehend, sportlich, schließlich ist er Co-Kapitän der Basketballmannschaft, mit starker körperlicher Ausstrahlung, nicht gerade von der intellektuellen Sorte. Wechselt die Freundinnen öfter als seine Shirts, interessiert sich für seinen Sport und sonst für nicht viel, und wenn er ins Kino geht, dann sieht er sich – Achtung, Metapher! – „Vollidioten III“ an. Sie: reflektiert, verkopft, voller Wortwitz und Ironie, stolz auf ihr „Anderssein“. Liebt alte Filme, europäische Dramen in Schwarz-Weiß, die so schöne fiktive Titel wie „Auch der Himmel weint“ tragen.

Diese Bruchlinien zwischen der Geschichte, die Min auf der Oberfläche erzählt, und der Geschichte, die sich ergibt, wenn man die Auslassungen und Zwischenräume mitliest, sind es, die das Buch so spannend machen. Außergewöhnlich ist auch die Figurenzeichnung – etwa wie mit Fortschreiten des Textes die Ich-Erzählerin auch ihre nervtötenden Züge bekommt. Aber Vielschichtigkeit und das Hinterfragen und Durchbrechen von Klischees sind wie die erstaunlicherweise in einem Jugendbuch angesiedelten Farbillustrationen der Objekte nur drei Gründe, warum man dieses Buch unbedingt lesen sollte. Es gibt noch 40 weitere.