Ein Teich für uns

Die ganze Welt in einem Garten – entdecken die beiden ProtagonistInnen und besten FreundInnen Flora und Robin. Schaut der Gemeinschaftsgarten ihres Wohnhauses zu Beginn durch einen gelangweilten Blick aus dem Fenster für Flora und auch die LeserInnen ganz gewöhnlich aus, zeigt sich schon bald, dass die Kinder die Möglichkeiten ihres natürlichen Erlebnisraums noch weit nicht ausgeschöpft haben. Zwar haben sie schon viel erlebt: Regenwurmwettrennen bei Regen, Schneeballfußball spielen oder Schneematschfallen bauen im Winter. Nun aber steht der Sommer bevor und es stellt sich die Frage: Was sollen sie in dem Garten, den sie in- und auswendig kennen, noch groß erleben? Als sie eine bisher unentdeckten Grube finden, ändert das alles. Fantasie und Abenteuerlust sind neu entfacht. „Handelt es sich um einen riesigen Fingerabdruck?“ „Sind hier Außerirdische gelandet oder war es vor Urzeiten ein Drachennest?“ Auf der Suche nach einer Antwort werden alle NachbarInnen befragt, womit auch die Nebenfiguren – gestalterisch in kleinen Panels – eingeführt sind. Ein Ratschlag lässt sie schließlich zur Tat schreiten: Wo wenn nicht in der Grube steckt die Antwort. Am Ende des arbeitsreichen Tages stehen sie enttäuscht vor einem Betonloch. Wieder liefert eine Stimme aus dem Off – denn auch die restlichen HausbewohnerInnen verbringen von den Kindern scheinbar ausgeblendet schöne Stunden im Grün – das richtige Stichwort: Teichbecken. Und so führt eines zum anderen. Bis sich die Kinder in die Haare kriegen und Flora unbemerkt in den Teich fällt. Doch wie soll es anders sein, auch dieses Ereignis ist Auslöser für ein neues Abenteuer.

So unterhaltsam und erlebnisreich die Handlung erzählt wird, so abwechslungsreich und großartig sind Text und Bilder gestaltet: Mal Fließtext, dann Sprechblasen, Listen oder Bildbeschriftungen. Mal ganzseitige Illustrationen, dann Szenenabfolgen, herangezoomt oder aus der Ferne. Mal rasant, wenn eine Idee die andere jagt, dann wieder langsam, wenn auf mehreren textlosen Seiten zu sehen ist, wie Flora in den Teich fällt und sinkt. Die Illustrationen der isländischen Künstlerin Rán Flygenring beeindrucken durch überraschende Perspektivenwechsel, das lebhafte Mienenspiel der Figuren und ihren Humor. Grandios zeigt sie auch, wie die Erwachsenen die Taten der Kinder zwar immer wieder kommentieren – ohne jemals einzuschreiten –, das jedoch im Spiel völlig an den Kindern vorbeigeht. Als wäre es kein Miteinander sondern ein Nebeneinander zweier Welten. Wie schon die Namen Flora (u.a. die Blume) und Robin (aus dem Engl. Rotkehlchen) versprechen, steckt diese Sommerlektüre voller Naturverbundenheit aber auch voller kindlicher Abenteuerlust und unerschöpflicher Fantasie.

Juliane Zach

Rán Flygenring: Ein Teich für uns

Rán Flygenring: Ein Teich für uns

Aus dem Isländischen von Anika Wolff
Frankfurt am Main: Rotfuchs 2026, 72 S., € 18,50, ab 5 Jahren

Dieser Buchtipp erschien zuerst in der österreichischen Wochenzeitung Die Furche

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